Gedanken zu Facebook

Gedanken zu Facebook

„Wird Facebook von Unternehmen überschätzt?“ fragte mein Kollege Jan Pötzscher vor einigen Tagen in seiner Social-Media-Kolumne im Dresdner Marketing-/Medien-Portal Sputnik. Jan ist sich seiner Sache ziemlich sicher: Ja, wird es.

Facebook ist am Profit interessiert und an nichts anderem, was ja auch logisch ist für ein kommerzielles Unternehmen. Dabei interessieren die Befindlichkeiten von Nutzern, Seitenbetreibern und Unternehmen nicht wirklich.

Jan argumentiert: Facebook sei gar nicht sozial, sondern kommerziell. Facebook sei egoistisch und macht, was es will. Das ist die eine Seite der Medaille, weil nämlich Facebook gern Geld verdient und alle baldigen Aktionäre das gleiche wollen. Doch hier wird vergessen, warum 900 Mio. Menschen in der Welt Facebook nutzen: Nicht, weil Marc Zuckerberg Milliadär ist oder weil Ferrero da eine schöne Nutella-Fanpage gebastelt hat.

Sondern weil sie in Kontakt treten mit Freunden und Bekannten, mit Familie und Kollegen. Weil sie Nachrichten verbreiten, Videos posten, Bilder hochladen, Nachrichten schreiben, auf „Likes“ hoffen. Und nur nebenbei Fanpages abonnieren und so mal in Kontakt mit der kommerziellen Seite treten.

Und dass Facebook Nutzerdaten en masse haben will, ist da nicht verwunderlich. 900 Mio. Menschen haben sich bewusst dazu entschieden, ihre Daten dort zu hinterlassen, einen Teil ihres Lebens auszulagern in einen fremden Service. Aus Bequemlichkeit, aus Gruppenzwang, aus Interesse. Der Erfolg von Facebook basiert auf einer einzigen Frage: Sind Menschen bereit, diesen Service mit ihren Daten zu bezahlen?

Sind sie es nicht mehr, hat Facebook ausgedient. Facebook wird immer nur das bekommen, was die Mehrheit will. Der USP von Facebook sind keine Technologien wie es bei Audi oder Mercedes der Fall wäre, der USP von Facebook ist die Masse. Das ist ein sehr fragiles, mobiles, vor allem immaterielles Gut, das Facebook zu allem Übel nicht mal „besitzt“ – zumindest nicht dauerhaft.

Deswegen wird Facebook auch nur mit Dingen Erfolg haben, die eine Mehrheit der Nutzer für brauchbar hält. Oder zumindest nicht so unbrauchbar, als dass Nutzer ihre Accounts deswegen löschen würden. Nicht jede Idee, die man sich in Palo Alto ausgedacht hat, war ein Erfolg. Das Wachstum ging dennoch weiter.

Weil die Nutzer nicht Innovationen wollen, tolle Gadgets, Hangouts wie bei Google oder sonstwas. Niemand nutzt Facebook wegen der tollen Services dort. Menschen nutzen Facebook, um Menschen (digital) zu treffen. Ich bin mir sicher, dass man das weiß in Palo Alto. Und deswegen gilt das Interesse von Facebook nicht dem Profit, sondern seinen Nutzern. Erst die sind es nämlich, die überhaupt über Profit nachdenken lassen.