Drei Serien-Empfehlungen für Anzugträger

Drei Serien-Empfehlungen für Anzugträger

Manche Männer ziehen Anzüge an. Andere tragen sie. Ein Anzug ist keine Uniform, er repäsentiert eine Lebenseinstellung. Seit der Finanzkrise und dem Abmahn-Wahn ist das ohnehin schon geringe Ansehen gegenüber Anzugträger vermutlich noch gesunken. Dennoch gibt es wenig neben einem ordentlichen Anzug, in dem ein Mann so gut aussieht.

Das Schöne an der Sache: Man muss nicht selbst immer Anzug tragen, um sich dieses Lebensgefühl vor Augen zu führen. Das geht heutzutage bequem in Jogginghosen (das andere Kleidungsstück, in dem Männer ebenfalls immer gut aussehen) von der Couch aus. Drei amerikanische Serien haben den Anzug wieder dahin gebracht, wo er hingehört: An Männer, denen Finanztransaktionssteuern und Raubkopierer egal sind.

Mad Men: „Trust me. I work in advertising.“

Don Draper in „Mad Men“ / Foto (C) by AMC

Dieses denkwürdige Zitat schmückt nicht nur den Seitenkopf dieses Blogs, sie repräsentiert auch noch eine Zeit, in der Werbeschaffende einen anderen Stellenwert als heute hatten. Nach sechs Monaten Praktikum in einer Marken-, im Grunde aber auch Werbeagentur kenne ich die Einstellung vieler Kunden gegenüber Kreativen. Don Draper & Co, Mad Men, lebten vor dieser Zeit: Der Kreative ist der König. Was Draper sagt, stimmt. Umgeben von schönen Frauen verbringt er seine Zeit vor allem mit Whiskey und Zigaretten. So war es in den 60ern – heute tragen Werber weniger akkurate Anzüge und Einstecktücher sind auch rar geworden. Der Job ist der gleiche, das Ansehen gesunken.

Mad Men ist über den grünen Klee gelobt worden und läuft derzeit in der fünften Staffel in den Vereinigten Staaten – die älteren Staffeln kann man als DVD z.B. bei Amazon.de erwerben.

 

Suits: „I’m an exeption.“

Suits Trailer

Harvey Specter ist der coolste Typ New Yorks: Er gewinnt als Anwalt quasi jeden Fall, hat ein Büro mit Blick auf Midtown Manhatten, ein Penthouse mit ähnlicher Aussicht, fährt schnelle Autos, erobert hübsche Frauen – und trägt dabei die bestsitzendsten Anzüge, die man im TV seit langer Zeit betrachten durfte.

Suits erzählt die Geschichte von Mike Ross, von der Uni geflogen, weil er als Hochbegabter unter falscher Identität für Kommilitonen Prüfungen schrieb. Durch Zufall kommt er ins Bewerbungsgespräch bei Harvey – der eigentlich Harvard Law Abgänger sucht, da seine Kanzlei nur Abgänger dieser Uni anstellt. Mike überzeugt dennoch und bekommt den Job, lebt aber fortan mit dem Makel, quasi illegaler Anwalt zu sein.

Harvey schätzt seine Fähigkeiten und wird sein Mentor, lehrt ihm wichtige Lebensweisheiten (die Hand weit unten haltend: „Das Leben ist so.“ Die Hand ein ganzes Stück weiter oben: „Ich mag das Leben so!“), zitiert auswendig Hollywoodfilme und Star Trek und bestückt die Wände seine Büros mit Base- und Basketbällen aus berühmten Matches und einer Plattensammlung. Die Frisur sitzt perfekt, das obligatorische Einstecktuch auch: Wer Nachhilfe im Anzug-Tragen und Gentlemen-Sein braucht, ist hier richtig.

Die Serie läuft derzeit in zweiter Staffel leider nur in den Vereinigten Staaten, Staffel 1 gibt es auch nur als UK-Import.

 

Boardwalk Empire: „You can’t be half a gangster.“

Boardwalk Empire erzählt aus der Ära der Prohibitionszeit in den Vereinigten Staaten. Damals trug man natürlich noch nicht modern geschnittene Dreiteler á Harvey Specter. Aber die Serie setzt einen Maßstab in Sachen Stil, wie Hauptdarsteller Steve Buscemi gegenüber Spiegel Online unlängst formulierte: „Ich finde ihn (den Stil der 20er) toll! Sogar die Arbeiterklasse hatte Stil – man kleidete sich zwar in weniger edlen Materialien, aber man legte quer durch die Gesellschaft Wert auf Eleganz. Stil war gar nichts Oberflächliches, es ging vielmehr darum, sein Bestes zur Schau zu stellen. Und die Schwelle lag hoch! Wir reden hier immerhin über die Zwanziger: Wenn man auffallen wollte, musste man über seine Garderobe schon nachdenken – Handgeschneidertes tragen, ein gewisses Auto fahren…“

Drei Staffeln sind abgedreht, die ersten gibt es bei Amazon.de auf DVD.