Fünf Startups, die man gesehen haben sollte

Fünf Startups, die man gesehen haben sollte

In meiner Arbeit bei Seedmatch habe ich täglich mit einem der spannendsten Produkt der Welt zu tun: Startups. Ich liebe es, neue Geschäftsideen kennenzulernen und ihnen dabei zu helfen, via Crowdfunding Kapital zur Realisierung großer Pläne zu vermitteln. Glücklicherweise habe ich Zugang zu den Quartalsreports dieser Startups und kann so auch sehen, welche Startups wie gut performen und welche Anpassung der Geschäftsideen welche Auswirkung zeigt.

Heute möchte ich fünf Ideen vorstellen, querbeet durch Branchen, Nationen und Fokus. Eins davon, wird auch per Crowdfunding bei Seedmatch finanziert. Die Startups sind zum Teil vielleicht auch schon länger am Markt, ich aber kannte sie bis jetzt noch nicht.

B2C, Mobilität: Automatic macht das Smartphone zur Auto-Schaltzentrale. Einmal mit dem Hardware-Connector ans Auto (via Schnittstelle, deren Existenz mir bis heute unbewusst war) angeschlossen, gibt Automatic Motor-Statistiken und -Staus, Crash-Benachrichtigungen an die Liebsten („Sorry, liege im Koma, aber meinem Smartphone geht’s gut.“), einen praktischen Park-Assistenten (für die Sorte Mensch, die vergisst, wo das Auto steht) und darüberhinaus einen Fahrassistenten, der meldet, wenn man zu viel Gas gibt oder uneffektiv bremst. Vorerst leider nur in den USA verfügbar kostet das Starterkit $70.

B2B, E-Commerce: KRYD ist einer meiner Favoriten, die wir gerade bei Seedmatch via Crowdfunding finanzieren. KRYD ist smart und sehr einfach zu bedienen und hilft Onlineshopbetreibern, ihre Kunden individuell und zielgerichtet anzusprechen. Ein Beispiel: Kunde Alf beendet seinen Einkauf kurz vor dem Abschluss – theoretisch wäre er jetzt für den Betreiber unwiederbringlich verloren oder er müsste ihn händisch anschreiben. KRYD speichert, wer wann was im Warenkorb hatte und schickt Alf z.B. drei Tage später einen netten Reminder: „Alf, hier ist ein 5€

Gutschein für das Produkt, dass du da im Warenkorb hattest. Das wär doch was!“ Das bringt sofort Umsatz-Verbesserungen und so amortisiert sich KRYD sehr schnell. Beta-Kunde Mr. Spex war zumindest sehr zufrieden – und etliche Shopbetreiber mehr werden es wohl auch bald sein. KRYD setzt durchgehend auf Einfachheit in der Erstellung der Kampagnen und ist so leicht zu installieren wie GoogleAnalytics: Kurzes Tracking-Snippet in den HTML Code und los geht’s. 24 Stunden nach dem Launch der Crowdfunding-Kampagne hat KRYD bereits 24 Kundenanfragen bekommen – nicht allzu schlecht für den Start.

B2B, Website-Optimierung: In die gleiche Simplicity-Kerbe wie KRYD schlägt Optimizely – und das ist einfach ziemlich clever (und, wie ich später mal separat darlegen werde, die Zukunft des Marketing): Mit Optimizely können Website-Betreiber in A/B-Kampagnen evaulieren, welche Gestaltung beim Kunden besser ankommt, ohne dass dieser davon etwas merkt. Danach habe ich lange gesucht. Ich habe es noch nicht in live getestet, aber allein die freie Trial-Version dieser Software-as-a-Service macht Lust auf mehr. Ich werde mir das Tool in den nächsten Tagen etwas genauer ansehen und dann nochmals berichten.

Ein Highlight übrigens ist die Vertriebsstrategie von Optimizely: Kostenlose Trial ohne Login, dann zum Speichern der Ergebnisse Anlegen eines kostenfreien Accounts – soweit so normal. Dann bekommt man eine persönliche Mail eine Key Account Managers, der sich deines Falls annimmt (und mit Lob für deine Website Überzeugungsarbeit leistet) und dir ein Video-Tutorial anbietet. Wie geil ist das denn? Da sagt kein Kunde nein.

B2C, Gadget-Beta: Myo ist vermutlich die verrückteste Gadget-Idee seit langem, aber eben auch ein Stück Zukunft – das wird schon im Claim „Unleash your inner Jedi“ deutlich. Derzeit bestehen wohl nur Prototypen, ein Pre-Order ist ab $149 möglich. Viel Geld für ein Gadget, das man eigentlich nicht unbedingt braucht, die aber wohl die Zukunft der Steuerung von Computern ist: Gesten als Bedienung, das kennt man vom iPhone, Myo bringt es auf den großen Bildschirm.

Laut Hersteller funktioniert Myo „out of the box“ an Mac und PC – da bin ich mal noch skeptisch. „You can control presentations, video, content, games, browse the web, create music, edit videos, and so much more. And developers are dreaming of new, exciting ways to use MYO every day.“ heißt es großspurig. Das mit der API ist in der Tat clever. Wie das ganze im echten Leben aussieht, erklärt das Video am besten:

Abschließend noch etwas aus dem B2C-Finance-Bereich: Wikifolio habe ich auf einem Kongress der Frankfurt School of Finance zum Thema „Finanzdienstleister der Zukunft“ persönlich kennen gelernt. Wie Seedmatch lebt Wikifolio von dem Wissen der Crowd: Aktientrader stellen ihre Portfolios online und ich kann mich als Privatinvestor dranhängen und die Investments 1:1 automatisch kopieren – von den entstehenden Gewinnen gebe ich dem Trader eine Fee zwischen 5% und 30%. Wikifolio erlebt einen unglaublichen Zuspruch, denn wie Crowdfunding ist das Crowd-Trading auch ein soziales Phänomen.

Seit Start im Jahr 2011 hat Wikifolio, das aus Österreich kommt, mit dieser sehr smarten Idee bereits mehr als 100.000 Nutzer gewonnen, die mehr als 10 Mio. EUR in die sog. Wikifolios investiert haben. Ich sehe die an teuren Banken und Beratern vorbei agierende Peer-to-peer-Plattform als Vorreiter und Wegweiser für die Entwicklung im Bankensektor.

Wie Seedmatch auch umgeht Wikifolio jegliche Mittler, die persönlich interagieren und Kosten verursachen – außer der Plattform und dem Marketing dafür hält man sich heutzutage zurück und lässt die Kunden, d.h. Investoren „mal machen“.  Der Zuspruch aus allen Ecken, sei es von Investoren oder von der Presse zeigt, dass der Weg auch für Banken in diese Richtung gehen wird: Die eigene Rolle runterschrauben, mehr Plattform als agierender Vermittler sein – nur so kann sich ein Haus wie die dahinsiechende Commerzbank noch neu und differenzierend positionieren. Ich bin gespannt, wann die Big Player in diesem Markt aktiv werden.

Info: Bild von Stew Dan bei Flickr