Crowdfunding als bankenloses Finanzierungskonzept – ein Vortrag bei der Wolfsburg AG

Crowdfunding als bankenloses Finanzierungskonzept – ein Vortrag bei der Wolfsburg AG

Von Zeit zu Zeit habe ich die Ehre, auf verschiedenen Veranstaltungen zu sprechen und als Seedmatch-Experte das Konzept Crowdfunding für Startups vorzustellen. Da ich gerne Vorträge halte und ich die Idee „Viel Kleines macht Großes möglich“ für sehr, sehr erstrebenswert halte, mache ich das gerne und inhaltlich finden es die Zuhörer immer super (woraus ich schließe, das rhetorisch noch Luft nach oben ist). Vor ein paar Tagen war ich Wolfsburg zu Gast und habe dort auf dem GründerCampus vor der hiesigen Gründer- und Business Angel-Szene gesprochen. Netterweise wurde das gleich auf Video aufgenommen, sodass ich heute die Gelegenheit habe, noch zwei, drei Sätze dazu zu schreiben:

Neben dem recht ausführlichen Teil zu Seedmatch (Wie geht das? Was geht gut, was geht nicht so gut? Und was mache ich da eigentlich den ganzen Tag?) habe ich fünf Thesen zu Crowdfunding als Finanzierungsform vorgestellt:

  1. Crowdfunding verändert die Wahrnehmung von Startups in Deutschland: Damit meine ich, dass das Thema Startup in der Breite immer größere Beachtung findet. Seit Google, Amazon und Facebook sind Startups einfach ein „cooles“ Thema, über das jeder gern mal berichtet. Angela Merkel findet Startups cool, Rösler auch, sogar Steinbrück schüttelt im Hamburger Betahaus Gründe-Hände. Wer was mit Startups zu tun hat, ist hip (nicht umsonst ist die hippste Stadt der Welt, Berlin, das „europäische Silicon Valley“). Und mit Crowdfunding haben Menschen die Chance, auch „hip“ zu werden und sich an diesen Ideen fernab langweiliger deutscher Maschinenbauer und Rohverleger-Mittelständler zu beteiligen. 
  2. Crowdfunding ändert das Geschäftsmodell von Venture Capital Gesellschaften nachhaltig. Zugegeben: Ein bisschen scharf formulier. Das ist noch mehr Vision als Realität, aber was ich damit sagen will: So wie Wikifolio den Broker der Bank ablöst, lösen wir den Investment Manager der VC’s ab: Wieso viel Geld an Manager verhökern, wenn man diesen Intermediär umgehen und via Crowdfunding direkt investieren kann?Das Internet tut an allen Stellen genau das: Intermediäre ablösen, vor allem im Bankensektor ist es deutlich, aber auch in der Medienbranche: Blogger bloggen direkt und schreiben nicht erst für Zeitungen. Die Nachrichten des Tages bekomme ich gefiltert bei Flipboard & Co., Carsharing wie bei Carzapp machen auch Autovermietungen wie Sixt obsolet. Hier sind wir erst bei 10% der Entwicklung. Es bleibt spannend, ob die Intelligenz des Schwarm den Manager schlagen kann.
  3. Crowdfunding ist Investieren mit Erlebnisfaktor. Das sehe ich im Kontrast zu Fonds, Anleihen, anderen „langsamen“ Wertpapieren, aber auch zu Aktien. Beim Crowdfunding geht es um direkten Einfluss des Investors: Er kann „seine“ Firma voran bringen, wenn er die richtigen Hebel in Bewegung setzt. Crowdfunding ist das intensivste, weil nahste Investment, das es gibt. Über den Investor-Relations-Kanal ist die Bindung von Startup und Investor gewahrt und wird gelebt. Es gibt schon heute ausreichend Beispiele, in denen die Crowd aus dem rein monetär getriebenen Investment eine gelebte Erfolgsgeschichte gemacht hat.
  4. Da sind wir gleich bei These 4: Crowdfunding ist eine Win-Win-Situation für Startups und Investoren: Startups brauchen Kapital, Kunden, Kontakte und Bekannheit. All das bekommen sie beim Crowdfunding. Da auch das Crowdfunding selbst noch relativ neu und „something to talk about“ ist, können dies Startups sogar als besonderes Event nutzen und damit Meldungen in der Presse lancieren, was wir bei Seedmatch immer extrem forcieren und damit viel Erfolg haben.Die Investoren auf der anderen Seite profitieren von dem öffentlichen Angebot: Je größer die Crowd, desto mehr Multiplikatoren, Beta-Tester und Feedbacker. Sie alle stehen für den Geschäftserfolg und helfen dem Startup in der frühen Phase auf dem Weg zum Erfolg – und genau das wollen sie ja: Dass „ihr“ Startup bekannt und erfolgreich wird. Als Investor kann schon ein kleiner Fingerzeig, ein Vermitteln eines spannenden Kontakts Türen öffnen, die sonst verschlossen geblieben wären. Wenig Aufwand für den Investor, viel Output für das Startup.Dass Seedmatch zwischendrin auch ein bisschen davon profitiert, sorgt dafür, dass ich ein Dach über dem Kopf habe – und eine schöne Kaffeemaschine im Büro steht.
  5. Beim Crowdfunding investiert man in Ideen und nicht in Zahlen. Oder: Idee (und Team) zählen mehr als eine schicke Finanzplanung. Aus Gesprächen mit Investoren weiß ich: Wer sich mit dem Team identifizieren kann, wer das Problem erkennt, das ein Startup löst, der investiert – wer es nicht tut, den überzeugen auch tolle Finanzpläne nicht. Das ist auch der Grund, warum wir bei Seedmatch im Video und der Investment-Übersicht („Story“) viel Text und wenig Zahlen haben: Es geht um Visionen, um Vorstellungen, um Lösungen. Und die erklärt man lieber in Prosa als in Tabellen.Es gibt eine Ausnahme: Läuft ein Funding etwas langsamer, können Zahlen helfen, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Starke Umsatz-Zuwächse, tolle Quartalszahlen – das überzeugt und lässt aufhorchen. Dann befasst man sich mit der Idee genauer und wird über diese Schiene zum Investor.

Ich freue mich über Feedback, Anregungen und kritische Kommentare!