4 Gründe, die „Quizduell“ so erfolgreich machen

4 Gründe, die „Quizduell“ so erfolgreich machen

Quizduell ist die App der Stunde. Platz eins im Appstore und bei GooglePlay – Millionen von Downloads, Berichte in „Funk und Fernsehen“. Deutschland ist im Quiz-Fieber. Aber warum? Eine App, die nicht mehr kann, als ein paar Fragen zu stellen? Vier Gründe, die das Phänomen erklären – und was App-Entwickler sich abschauen können.

 

Quizduell

„6,1 Millionen Menschen in Deutschland spielen Quizduell auf dem Handy, täglich wird das Spiel 100.000 Mal gratis heruntergeladen“, schreibt „Die Welt„. Das ist für eine App ein großer Erfolg, wenn man bedenkt, dass sie im Herbst 2013 mit einem Facebook-Event als Marketing-Aktion zum Deutschland-Start begann. Beruhigend, dass es nicht immer Marketing-Millionen sein müssen, um auf jedes Smartphone zu kommen.

Es steckt mehr dahinter:

1. Es ist viral, weil es trivial ist.

Man muss weder schnell tippen („Snake“) können, noch muss man Ballistik beherrschen („Angry Birds“) – Wissen ist eine Fähigkeit, die sich jeder mehr oder weniger selbst attestiert. Quizduell ist unglaublich simpel: Wer Fragen richtig beantwortet, gewinnt. Wenn ein Spiel in einem Satz beschrieben werden kann, ist es einfach genug, um ein Massenphänomen zu werden. Denn die Masse ist nicht gemacht für Komplexität: Wer erklärt beim Essen mit Kollegen schon ein Spiel, dessen Regelwerk ein ganzes Buch füllen würde?

2. Es ist viral, weil es sozial ist.

Man spielt nicht allein, sondern im Duell. Und im Idealfall gegen Freunde – das heißt: Man redet darüber! Und damit ist die Hälfte des Erfolgs schon geschafft, denn eine App, über die man redet, gewinnt automatisch an Aufmerksamkeit. Über Quizduell kann man problemfrei sprechen oder sogar Freunde um Rat bei schwierigen Fragen bitten. Bestes Einfallstor, um im Gespräch zu bleiben.

Und weil man lieber eigene Freunde im Duell schlägt, als Wildfremde mit Nicknames wie „Wurstsalat123“, überredet man gleich noch Freunde und Kollegen, sich ebenfalls anzumelden. Viralität in Reinform!

3. Es ist viral, weil es kompetetiv ist.

Besser als andere zu sein, liegt in der Natur des Menschen. Wir messen uns gerne mit anderen, neuerdings messen wir uns sogar selbst mit Nike+, Runtastic & Co. Quizduell gibt uns das Gefühl, messen zu können, wie klug wir wirklich sind – und zwar abseits von Schulnoten. Die App soll in Deutschlands Klassenräumen der Ablenker Nummer 1 sein. Lehrer dürfte das freuen: Nie zuvor war Geschichtswissen so wichtig wie in dieser App. Hier geht es nicht um Noten auf dem Abschlusszeugnis, sondern um „social credibility“. Wer bei Quizduell gewinnt, ist auf dem Schulhof eine Spur cooler.

Spiele wie Counter Strike oder World of Warcraft sind auch deswegen so erfolgreich, weil aus ihrer Einfachheit das Gefühl entsteht, zu gewinnen wäre nur eine Sache von ausreichend Zeit: „So schwer kann das ja nicht sein“ paart sich mit der bitteren Erkenntnis, dass doch viele besser sind als man selbst – und so spielt man, bis man das erste Mal gewonnen hat. Nur, um dann seine „Gewinn-Serie“ fortzusetzen. Das nennt man Suchtverhalten und Quizduell macht es einem einfach, dieser Sucht zu verfallen. Dass man sich immer wieder gegenseitig herausfordern kann, unterstützt das zusätzlich: Der Verlierer will nicht Verlierer sein, der Gewinner will seinen Sieg nicht als Glückstreffer dastehen lassen – es geht immer weiter!

4. Es ist viral, weil es täglich Aufmerksamkeit erfordert – davon aber nur wenig.

Der Tamagotchi-Effekt: Wer nicht jeden Tag die App checkt und Fragen beantwortet und offene Duelle spielt, verliert. Man kommt nicht drum herum, die App jeden Tag mindestens einmal zu nutzen. Das verstärkt die anderen Effekte umso mehr, insbesondere den ersten: Jeden Tag die App bedienen zu müssen, bringt es zwangsläufig mit sich, Freunde und Verwandte in die Fragerunden einzubeziehen.

Wichtig auch: Man kann Quizduell in wenigen Minuten spielen. In unserer schnelllebigen Zeit ein wertvoller Pluspunkt.

Was sagt uns Quizduell als Best Practice für App-Entwickler?

Diese Erkenntnisse sind für alle viralen Apps die gleichen. Sie muss einfach , sozial und wiederkehrend spannend oder interessant sein. Quizduell erfüllt alle diese Kriterien – und kann so auch ohne Werbebudget Millionen Handys bevölkern. Auch wenn man damit angeblich nicht reich wird:

„Auch finanziell lohnt sich die App, doch Details plaudert der ehemalige Lehrer mit Webdesign-Erfahrung nicht aus. Das Auskommen sei „gut, aber wir sind keine Millionäre“. Die Kosten seien hoch für Personal und Server.“ – Handelsblatt.com

Spannend bleibt die offene Frage, wieso es nun gerade diese eine Quiz-App geschafft hat und nicht eine der vielen anderen, die es unweigerlich bei einem naheliegenden Thema gibt. Vielleicht war tatsächlich die Facebook-Aktion der einfache, aber richtige Weg, die berühmte „kritische Masse“ anzustoßen.