Frank Thelen hates Crowdinvesting – meine Antwort

Frank Thelen hates Crowdinvesting – meine Antwort

Seriengründer und Investor aus der „Höhle des Löwen“ Frank Thelen macht in einem Video-Interview beim Blog Für-Gründer.de seinem Unmut über Crowdinvesting Luft. Seiner Einschätzung fehlt die sachliche Grundlage.

Frank Thelen kennt sich ganz gut aus mit dem  Gründen von und dem Investieren in Startups. Er hat einige selbst gegründet, ein paar gegen den Baum gefahren und zuletzt ein paar Deals im Fernsehen bei der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ gemacht.  Einer wie er sollte sich auskennen mit der Branche und demnach auch mit einem „Trend“ wie Crowdinvesting, das nun auch schon wieder seit über drei Jahren den Startup-Finanzierungsmarkt beeinflusst. In einem Video-Interview mit dem Blog Für-Gründer.de verteufelt er das Konzept und sagt: „I hate Crowdinvesting!“

Zu Beginn belächelt hat sich Crowdinvesting inzwischen zu einer ernstzunehmenden Alternative für die Finanzierung junger Unternehmen zum einen, aber auch als hochriskantes Anlageprodukt für Anleger entwickelt. Ich selbst habe von 2012 bis 2014 bei der größten deutschen Crowdinvesting-Plattform Seedmatch das Marketing mit aufgebaut und dabei viele Startups bei ihrem Funding begleitet.

Thelen kritisiert zwei Punkte:

Das eine Problem sind die Investoren. Die haben keine Ahnung, was sie da tun. Sie investieren in irgendwelche Startups. Die verstehen noch nicht einmal, was ein Startup und was das für ein Risiko ist. Teilweise sind die Leute verwundert, wenn sie hören, dass man da sein Geld verlieren kann.

Fairer Punkt – und vermutlich der, der am Ende darüber entscheiden wird, ob das Konzept mehr wird als nur eine Modeerscheinung einiger Jahre. Zunächst einmal wissen in Deutschland tatsächlich immer noch viel zu wenige Menschen, was ein Startup ist und wo der Unterschied zur Unternehmensgründung liegt. Aber genau das ist ein Aspekt, der das Crowdinvesting so spannend macht: Erstmals hat Otto Normalverbraucher die Chance, Teil eines solchen Unternehmens zu werden und Auf und Ab zu begleiten. Wir haben uns bei Seedmatch immer auch zum Ziel gemacht, Entrepreneurship in der Gesellschaft zu verankern und damit die größte Startup-Investoren-Crowd  Deutschlands aufgebaut.

Thelen vereinfacht dramatisch, als er behauptet, die Investoren wären sich ihres Risikos nicht bewusst. Genau das hat Seedmatch immer versucht zu verhindern: Dass das Blaue vom Himmel gelobt wird und man á la Prokon mit guten Versprechungen schnelles Geld einsammelt. Über 90% aller Teilnehmer einer Seedmatch-Investorenbefragung im Frühjahr 2013 gaben an, sich ihres Risikos über Totalverlusst vollkommen bewusst zu sein. Darüber wird heute, nicht nur bei Seedmatch, sondern bei allen großen Plattformen ausführlich informiert und aufgeklärt. Crowdinvesting ist ein Anlageprodukt, das im Risiko fernab von Aktien und Optionen liegt, denn es ist weder liquide noch ist die Rendite für irgendjemanden auf der Welt kalkulierbar.  Genau das aber lieben die Crowdinvestoren: Das Risiko, die Hoffnung auf den eigenen guten Riecher.

Der zweite Punkt:

Die Startups: Die hängen sich irgendeinen Scheiß ans Bein, mit hochkomplexen Verträgen. … gini (Anm.: 2012 sehr erfolgreich als Smarchive bei Seedmatch finanziert), die hatten Crowdfunding drin. Der musste zu 100 Leuten ins Wohnzimmer fahren und die überzeugen, dass ein VC investieren darf.

Long story short:

  1. Der „hochkomplexe“ Vertrag, den Smarchive damals bei Seedmatch unterschrieb, war ungefähr 8 Seiten lang. Der Vertrag, den er mit seinem Venture Capital-Geber abschloss, umfasste ca. 100 Seiten.
  2. Der Vertrag war eine „stille Beteiligung“, in der Tat wenig gründerfreundlich und deswegen schon seit November 2012 nicht mehr in Gebrauch.
  3. Bei allen Diskussionen zu diesem Thema fällt mir nur eins ein: Niemand zwang Smarchive/Gini, deren Gründer ich als gute Typen und freundliche Persönlichkeiten kennenlernen durfte, damals, diesen Deal zu machen. Das hat übrigens Seedmatch-Beirat Christian Thaler-Wolski, hauptberuflich bei Wellington-Partners, in einem schönen Symposium 2013 einem der gini-Gründer auch erklärt. Und er sagte auch: Und wenn es um die Existenz meines Unternehmens geht, dann fahre ich noch 1000 Kilometer durch die Pampa, um meine Investoren zu treffen. Für gini lief dann mit den vielen Investoren im Wohnzimmer eigentlich alles ganz gut. Die Finanzierung klappte, einige Investoren sind immer noch involviert und (die Spitze sei mir erlaubt) das Unternehmen gibt es im Gegensatz zu Thelens Wettbewerber doo immer noch, wenn auch mit verändertem Konzept.

Es mag viele Kritikpunkte am Crowdinvesting geben, einige werden derzeit intensiv diskutiert. Die beiden von Frank Thelen genannten jedoch gehören meines Erachtens nicht dazu.