Arbeiten bei Zencap – ein Zwischenfazit

Arbeiten bei Zencap – ein Zwischenfazit

Als ich Freunden und Bekannten Mitte 2014 berichtete, bald bei Zencap im Rocket Internet Universum zu arbeiten, war die übliche Reaktion ein Mix aus Unverständnis, Mitleid und Respekt. Würde ich in der Oli Samwers angeblicher „Knochenmühle“ glücklich werden? Die Antwort ist überraschend.

Seit 15. September arbeite ich nun schon als Head of Customer Relationship Mangement (was für ein Titel, machen wir’s kurz: ich arbeite im Bestandskundenmarketing) bei Zencap in Berlin. Das Startup, selbst erst seit März 2014 am Start, vermittelt Kredite von Privatinvestoren an kleine und mittelständische Unternehmen, tut also das, was sonst Banken tun – nur eben digital, auf einer Kreditplattform ohne Bankfiliale, ohne Kundenberater im Anzug, ohne Bankentürme in Frankfurt. Crowdlending nennt sich das und Zencap ist bei weitem nicht die erste Plattform auf der Welt, die dieses Modell umsetzt. Vor kurzem ging der Crowdlending-Pionier Lending Club in den USA triumphal erfolgreich an die Börse, seitdem ist auch in Deutschland die Szene im Aufruhr.

Wie ist die Arbeit bei Zencap?

Sehr, sehr gut. Bei Zencap arbeiten extrem talentierte und erfahrene Leute, die vorher bereits bei Investment Banken oder großen Internet-Startups Leitungspositionen innehatten. Die beiden Gründer, Dr. Christian Grobe und Dr. Matthias Knecht, haben beide vorher lange bei der Unternehmensberatung McKinsey&Co. gearbeitet und wurden dann von Rocket Internet dafür gewonnen, Zencap zu gründen und groß zu machen.

Meine Aufgaben, ohne hier zu sehr ins unternehmensstrategische Detail gehen zu wollen, erstrecken sich von der Verantwortung für die Aussendung aller E-Mails, sowohl von Transaktionen-bezogenen als auch Werbe-E-Mails zur Aktivierung unserer Investoren über den Austausch mit unseren Kunden. Das Ziel ist natürlich, unsere Investoren möglichst zufrieden zu stellen, sodass sie möglichst oft und lang bei Zencap in Unternehmenskredite investieren. Dafür gibt es eine Bandbreite an Instrumenten, die eben unter dem Begriff CRM zusammen gefasst wurden.

Ich persönlich glaube, dass CRM dann am besten funktioniert, wenn man den Kunden am besten verstanden hat. Und verstehen kann man nur durch Zuhören, weswegen ich unter anderem auch im P2P Kredite Forum aktiv den Austausch mit unseren Investoren suche, was zwar zeitintensiv ist, aber sehr ehrliches und gutes Feedback zutage bringt.

Allgemein ist der Spirit bei Zencap geprägt durch eine sehr gute Symbiose aus Leidenschaft für das Thema Crowdfunding/Crowdlending und Expertise in allen relevanten Feldern, also von Finanzwissenschaften über Risikoprüfung bis hin zu Marketing, Operations, Sales und Personal. Alle Departments sind bei Zencap sehr gut besetzt, sowohl in der Spitze als auch in der Breite. In einem Team zu arbeiten, dass so motiviert und kompetent zusammenarbeitet, bringt jeden Einzelnen nach vorn.

Aber bei Rocket Internet wird doch immer nur kopiert? 

Folgt man der gängigen Rocket-Internet-Berichterstattung, muss man annehmen, bei allen Rocket Ventures würden Business School Absolventen 17h am Tag Geschäftsideen und Quelltexte fremder Startups klauen. Dieses Bild halte ich für antiquiert. Rocket Internet hat längst verstanden, dass man mit eigenen Ansätzen eine erfolgreiche Geschäftsidee sehr viel erfolgreicher machen kann.

Bei Zencap findet kein ständiges Beobachten und Kopieren der Konkurrenz statt. Wie überall werden diese zwar regelmäßig auf ihre offensichtlichen Erfolge hin überprüft, aber dann erfolgt immer die Überlegung: Wieso machen die das so? Machen die das besser als wir? Sollten wir es auch so machen? Können wir es noch besser machen? In jedem Unternehmen dieser Welt wird das systematisch betrieben und Zencap reiht sich da nahtlos ein.

Und die Menschen? 

Mit jedem Zencap-Mitarbeiter kann man mindestens ein Bier trinken und dabei eine vernünftige Unterhaltung führen. Unter den inzwischen über 60 Mitarbeitern, die zum großen Teil in Berlin sitzen, aber auch in Madrid und neuerdings in Amsterdam die jeweiligen Länder-Büros besetzen, findet sich eine bunt gemischte Truppe: Jung, alt, frisch von der Uni, seit über 20 Jahren im Job, männlich, weiblich, IT-Experten, Manager, Zahlenjunkies, Vertriebs-Gurus. Ein Großteil der Angestellten identifiziert sich bewusst mit Zencaps Mission, nämlich Investoren mit Unternehmen zusammen zu bringen. Crowdlending ist hier nicht nur Marketing-Begriff, sondern für viele echte Leidenschaft.

Insbesondere im CRM ist man stark interdisziplinär unterwegs, weswegen ich mit vielen Mitarbeitern im direkten Austausch stehe. Es macht mir Freude, mit den Marketing-Kollegen unterschiedliche Akquisekanäle und deren Ergebnisse zu testen, mit dem Product-Department die Roadmap für die kommenden Wochen zu besprechen oder neuen Content von den Kommunikations-Kollegen zu verwenden.

Fazit

Ich arbeit sehr gern bei Zencap. Soweit ich das überblicken kann, geht es den meisten Mitarbeitern genauso. Es herrscht ein positiver Geist und der Wille, wirklich etwas zu ändern. Von der angeblich so schlimmen Rocket-Mentalität merkt wenig, bis auf die konsequente Internationalisierung und die unbedingte Orientierung auf Wachstum.